Sonntag, 19. März 2023

Costa Rica und Gewitter

Morgens mache ich noch ein gemeinsames Bild mit Alicia, sie winkt mir hinterher und ich radle auf einsamen Strassen und am Strand entlang weiter Richtung Süden. Wieder gibt es ein paar Flussdurchquerungen, diesmal ist eine oberschenkeltiefe dabei, die Ströhmung drifted mir das Rad fast weg. Hinter mir folgt ein Reiter. 






Knackige Steigungen folgen, eine weitere Flussdurchquerung, und dann bin ich ein Stück auf einer verkehrsreichen Strasse. Habe ich nicht vermisst...


Zelten am Strand. Und mit dem Schiff überquere ich den Golf von Nicoya. 







In Esparza darf ich bei Ronny übernachten. Ronny kommt mir mit seinem MTB ein Stück entgegen und wir radeln zusammen. Mit 71 Jahren ist er bereit für eine Alpenüberquerung. Alps Biketours, die Aquise in Übersee läuft! Gracias a Ronny y su esposa Jannai por la noche tan commodo en la cama de sus hija. Nos vemos en los Alpos! 
Und am nächsten Morgen begleitet mich Ronny wieder ein Stück.




Ich fahre zurück an die Küste. Hier gibt es nicht so viele Alternativen an Strassen, der Verkehr ist wieder erbarmungslos. Viele LKW's sind unterwegs, die Küste hier ist sehr touristisch. Bettenburgen gibt es auch, manche sind nie fertig geworden und sind schon Ruinen, stehen zum Verkauf.




Ich halte an einem kleinen Campingplatz. Leider nicht direkt am Wasser, aber die Leute sind super freundlich. Nachdem ich im Meer baden war bricht das Gewitter los. Ich schiebe mich und mein Fahrrad ganz schnell in's Klo und tatsächlich ist das Gewitter direkt über mir.  Es prasselt draussen, ich habe Hunger. Also koche ich mir hier im Trockenen erstmal was und nehme den einzigen Sitzplatz ein.


Als es aufhört kann ich endlich mein Zelt aufstellen, schon im Dunkeln. Es ist immernoch total schwül...
Ich habe seit Nicaragua keinen Pausentag mehr gemacht. Brauche ich dringend, mein Hintern auch, und mein Fahrrad braucht ein bisschen Pflege vor allem nach den vielen Flussquerungen. Also bleibe ich noch eine Nacht.

Donnerstag, 16. März 2023

Costa Rica und Regen

Ich will wieder an's Wasser, da ist es mit dem Zelten einfacher. Meine Hände und Füße schmerzen, ich habe eine allergische Reaktion auf die Ameisen. Ich muss mich total zusammenreissen dass ich mich nicht aufkratze. In der Apotheke bekomme ich eine teure Creme mit geringem Cortisongehalt. Es ist anstrengend, ich bin nicht gut drauf. Zudem ist der Verehr wieder erbarmungslos. Ab dem Flughafen von Liberia sind die ganzen Mietautos mit nordamerikanischen Touristen dazu gekommen. Endlich kann ich auf eine kleinere Strasse abbiegen, die Anstiege sind steil und ein kleiner Fluss will durchquert werden. Es fängt an zu regnen. Allerdings ist es so warm dass ich einfach nass werde und ohne Regenjacke weiter fahre.



In Brasilito gibt es einen kleinen Zeltplatz direkt am Strand. Hier trinke ich mein erstes costaricanisches Bier, "Imperial". Vom Nachbarn aus Texas geschnorrt. Der wohnt hier schon seit 6 Wochen in seinem riesigen Wohnmobil. Macht nix anderes als vor seinem Fahrzeug zu sitzen, auf's Wasser zu schauen und Bier zu trinken. Morgens um 6 Uhr geht's los, um 10 Uhr hat er schon 5 Dosen geleert. Ich habe derweil gefrühstückt, Zelt abgebaut und 4 LKW-Reifen-Drähte aus meinem Hinterrad gezogen. Fiese Dinger, schon wieder muss ich den Reifen abziehen und den Schlauch flicken.
Ich radle weiter an der Küste entlang. Endlich kann ich auf eine einsamere Strasse abbiegen. Die Landschaft ist schön! Aber irgendwie kriege ich den Eindruck nicht los dass Costa Rica ein großer Outdoor-Supermarkt ist. Hauptsächlich US-amerikanische Touristen, überall Immobilienangebote und teils richtig dekadente Villen. Alles ist schweineteuer, die Gespräche mit Einheimischen rar.







Und dann sehe ich meine ersten Brüllaffen! Eigentlich höre ich sie erst, und als mein Blick nach oben geht sehe ich sie. Sie schmausen sich röhrend durch die Mangobäume.


Für heute ist Regen angesagt, und der kommt dann auch. Vorher werde ich sowieso nass von einer knietiefen Flussdurchquerung. Ich muss schieben, der Kies wirft mich vom Rad. Leider hat meine Tasche ein Loch, das stelle ich später fest.
An einem Gemüsewagen halte ich an um Obst und Gemüse nachzukaufen und den heftigsten Guss abzuwarten. Mal wieder bekomme ich meinen "Einkauf" geschenkt. Die beiden Frauen stellen Fragen, eine lustige Unterhaltung. Ich freue mich dass ich wieder in Kontakt komme mit Einheimischen.



Am Strand angekommen darf ich seit langem mal mein Zelt im Regen aufbauen. Irgendwie ist alles klamm und meine Klamotten muffeln von der ständigen Feuchtigkeit. Brauche wohl mal wieder einen Waschsalon... 
Eine Nacht bleibe ich am Surferstrand mit cooler Bar und Internet. In der Nacht regnet es ausgiebig. Am nächsten Morgen lasse ich mir Zeit und trockne ein bisschen meine Sachen. 



In Samara gibt es einen Waschsalon, und einen Campingplatz gibt es auch. Also mein heutiges Tagesziel. Auf dem Weg fahre ich viel auf unasphaltierten Strecken mit unglaublich steilen Abschnitten. Da bleibt mir schon mal die Puste weg. Aber auch die Landschaft ist atemberaubend. Eine Brücke nur für Fussgänger und Zweiräder, ein Stück Hamburg in Costa Rica und eine weitere Flussdurchquerung.






Nach einer weiteren Nacht direkt am Wasser geht es weiter auf der kleinen Küstenstrasse. 



Bis zu 14% Steigung gibt es hier abschnittsweise auf losem Untergrund. Ich kämpfe mich mal wieder einen Anstieg hoch, das Schieben ist in der Hitze extrem kräftezehrend, da kommt mir ein Jeep entgegen. Die US-amerikanische Lady hinter'm Steuer hat mich vor einem Moment überholt und ist zurück gekommen um mir einen Lift anzubieten. Ich nehme das Angebot an und lasse mich in den nächsten Ort shutteln. In einem schicken Restaurant lädt sie mich zum Essen ein. Coco lebt seit einiger Zeit in Costa Rica und vor kurzem ist sie von der karibischen Seite an die Pazifik-Küste gezogen. Ihr Online-Job ermöglicht ihr das Arbeiten von hier aus. Wir unterhalten uns über Reisen, Abenteuer und unsere Kindheit. 


Für mich geht es weiter, die nächste Steigung steht an. In meiner Richtung grollt der Donner. Im nächsten Ort erwischt es mich, der Regen prasselt und ich stelle mich an einem Haus unter das Dach. 


Ich rufe um um Erlaubnis zu bitten, niemand da. Kurze Zeit später kommt der Bewohner. Mario kommt vom erfolglosen Angeln. Seit 4 Uhr morgens ist er draussen, ein paar Bier waren auch involviert. Er bittet mich in's Haus und bietet mir einen Café an. Mario lebt 6 Monate hier an der Küste, den Rest des Jahres in San José. Als der Regen aufhört breche ich wieder auf, Mario winkt mir hinterher.
Weiter steile Stücke, mit dem nassen Untergrund noch ein bisschen anstrengender. Das Gewitter hat tolle Wolkenformationen hervorgebracht.





In Coyote komme ich an einem Hotel vorbei. Aus Interesse frage ich die Besitzerin was die Nacht kostet. Eigentlich über meinem Budget will ich weiter, da fragt mich Alicia was ich zahlen kann. Ich bekomme tatsächlich die Nacht für einen niedrigeren Preis und gönne mir den Luxus eines Zimmers. Als wir über Berufe und Reisen reden zeigt mir Alicia ihre selbst genähte Bluse und wir sind schon gleich voll im Gespräch. Nach dem Duschen werde ich von ihr zum Suppe essen eingeladen und muss natürlich ihre Nähmaschinen und ihre Nähprojekte bewundern. Wir gehen zusammen rüber zu ihrer Schwester, 2 Schwestern wohnen direkt nebenan und sie hat noch eine weitere Schwester und 4 Brüder. 


Ich freue mich total dass ich doch noch ein bisschen in das Leben von Menschen hier spitzen darf und Alicia freut sich über Gesellschaft. 

Sonntag, 12. März 2023

an den Nicaragua-See und weiter nach Costa Rica

Eine Nacht bei Jenny im Aussenbezirk von Managua. Jenny ist sehr religiös, wie so viele hier. Nach ihrem Segen darf ich abreisen. Leider vergesse ich mein schönes helles Hemd was mir die Sonne vom Leib hielt und Freizeit-Überwerfer war.


Von Managua kriege ich ausser dem anstrengenden Verkehr wenig mit, ich fahre nicht in's Zentrum.

Heute ist es bedeckt, das heisst es ist nicht so heiss. Schwül ist es trotzdem. Angekommen in Granada, checke ich in einem Hostel ein. Im Internet war zu lesen das Donnerstags um 2 Uhr ein Boot nach Ometepe fährt. Das wollte ich morgen machen. Tja, Internet ist halt nicht Realität, da fährt das Boot nur Montags. Also umdisponieren: dann eben mit dem Rad am See entlang. Leider auf der Carretera, keine Alternative. Aber erstmal streune ich durch die Stadt. 









Auf dem Markt finde ich ein weisses Langarm-Shirt. Die gebrauchte Kleidung kommt fast ausnahmslos aus den USA.







Und weiter radle ich am Nicaraguasee entlang. In San Jorge gegenüber der Insel Ometepe mit Blick auf den Vulkan (den habe ich 2001 bestiegen) darf ich wieder an einem Restaurant übernachten. Ich springe in den See und lasse mir danach den Fisch (Guapote) schmecken.






Nach einer windigen Nacht (dadurch kühlt es angenehm ab) fahre ich die letzten Kilometer zur Grenze nach Costa Rica. 









Zum ersten Mal muss ich alle meine Taschen vom Fahrrad nehmen und sie auf den Scanner legen. Der Beamte von Costa Rica will ein Ausreise-Ticket sehen. Als ich ihm sage dass ich mit dem Rad da bin hat sich das allerdings erledigt. Und dann bin ich schon in Costa Rica!



Tatsächlich liegt nicht mehr so viel Müll am Strassenrand. Es ist üppig grün und wieder bergiger. Ich will noch zu einem kleinen Strand um dort mein Zelt aufzustellen. Der Sonnenuntergang ist auch wieder ziemlich schön.






Ich setze mich an's Wasser und lasse mir von den Wellen eine Gutanacht-Geschichte erzählen. Als ich zum Zelt zurück komme hat ein Tier versucht meine Essenstasche zu öffnen. Als ich mit meiner Lampe leuchte sehe ich 2 Augen funkeln. Ich kann nicht genau erkennen was es ist, eine Wildkatze? Auf jeden Fall nehme ich meine Tasche mit an's Zelt. Ein Fehler, am nächsten Tag ist sie von Ameisen infiltriert und als ich sie hochnehme sind sofort meine Hände und Füsse voll von ihnen. Diese fiesen kleinen roten Ameisen die richtig weh tun! Es nutzt nix, ich muss die Tasche total leeren und einige Lebensmittel wegwerfen. Natürlich werde ich total von Ameisen aufgefressen, ich heule vor Schmerzen. Aber die Tasche wird mit Wasser ausgespült und in die Sonne gestellt. Und dann kann ich endlich Café machen und frühstücken. Der geplante frühe Start wird natürlich nichts, und meine Hände und Füsse sind angeschwollen von der Ameisensäure. Oh darauf hätte ich gut verzichten können! Dafür sind die Tiere die sonst so auftauchen eine Entschädigung. 



Es ist heiss und schwül.
 



Ich habe eine Steigung von bis zu 15% vor mir um wieder auf die Carretera zu kommen, und eigentlich will ich wieder an's Wasser. Aber der spätere Start hat mich verzöger und meine schmerzenden Hände und Füsse schreien nach einer ausgiebigen Dusche. Ich gehe in's Hotel in Liberia. Ich muss Geld abheben und einkaufen, Lebensmittel ersetzen. Costa Rica ist teuer, die Preise sind wie bei uns. Ich frage mich wie die Menschen hier das zahlen können. 
So richtig weiss ich noch nicht wie ich das Land finde. Die Natur ist toll! Und Costa Rica hat sich dem nachhaltigen Tourismus verpflichtet. Die Menschen pfeiffen mir nicht mehr hinterher, sind an Touristen gewöhnt, aber auch nicht so zugänglich wie z.B. in Nicaragua. Mein Lächeln wird meist erwidert, trotzdem ist es schwieriger in's Gespräch zu kommen. Irgendwie ist alles nicht mehr so authentisch wie in den anderen Ländern Zentralamerikas. Aber ich habe ja noch ein paar Tage um das Land kennen zu lernen.